Mitten im Ersten Weltkrieg wurde 1917 eine neue Sängerschafterbude im Münchnerhof (Schlambräu/Dreifaltigkeitsgasse) bezogen, die bis 1944 in Verwendung blieb. Obwohl nach Ende des Ersten Weltkrieges die Hoffnungen auf eine Wiedererrichtung der Salzburger Universität endgültig geschwunden waren, wurde ein reger Couleurbetrieb aufgenommen.

Im Jahr 1927 zählte der AHV bereits 43 Mitglieder. Von diesen, auch für die Stadt Salzburg bedeutenden Persönlichkeiten sind zu nennen: Magister Willvonseder (Apotheker), Rudolf Walda (Rechtsrat), Rudolf Junowicz (Polizeirat), Emanuel Jenal (Magistratsdirektor), Hans Müller (Stadtbaudirektor), Rudolf Simmerle (Landesgerichtsrat, Komponist), Friedrich Gehmacher (Stiftung Mozarteum), Eduard Hütter (Landeskonservator, Architekt des ersten Salzburger Festspielhauses).

Die Schlambräubude

Der Salzburger Alt-Herren-Vereinigung kommt auch - was bislang weitgehend unbeachtet blieb - für die Frühgeschichte der Salzburger Festspiele eine bedeutende Rolle zu. Führende Promotoren der Festspielidee waren der Salzburger Friedrich Gehmacher und der Wiener Musikschriftsteller Heinrich Damisch, der das erste Festspielprogramm formulierte. Beide waren Alte Herren des Wiener AGV. Beide Exponenten des Festspielgedankens finden wir in den heute noch existierenden Budenbücher aus dem Jahr 1917 nebeneinander verzeichnet.

1930 konnte das 30. Stiftungsfest mit einem großen Festkommers auf der Festung und der Pflanzung der Sängerlinde im Kurpark gefeiert werden. Die vereinsrechtliche Umwandlung des AHV in den Verband Alter Sängerschafter (VAS) erfolgte im Jahr 1928 und verstand sich als Zusammenschluss aller im Bundesland Salzburg lebenden Alten Herren und Inaktiven akademischer Sängerschaften. Dieser Verein überstand den Ständestaat und auch nach dem "Anschluss" wurden die wöchentlichen Treffen auf der Bude fortgeführt. Nach der behördlichen Vereinsauflösung durch das NS-Regime am 12. Oktober 1939 wurde dennoch im Dezember 1940 das 40. Stiftungsfest begangen. Auch der 1000. Farbenabend im Jahr 1942 wurde auf der Schlambräubude gefeiert.

In der Folge wurden - da viele Bundesbrüder im Feld standen und treue betagte Sängerschafter verstarben - die wöchentlichen Treffen zwar immer schlechter besucht, sie konnten aber dennoch bis ins Jahr 1944 fortgesetzt werden. Die letzte Eintragung in den Budenbüchern findet sich am 23. November 1944, dem Tag, an dem die Bude im Münchnerhof durch einen Bombentreffer völlig zerstört wurde.